Diabetes in der Schwangerschaft

(Artikel von Dr. Juliane Rosner, Apothekerin und Journalistin. In: PTA professional Februar 2012)


 Gefährliche Komplikationen für Mutter und Kind.

Etwa ab dem vierten Schwangerschaftsmonat verändert sich der Zuckerstoffwechsel. Jetzt reagieren die Gewebe zunehmend schlechter auf Insulin. Bei Diabetikerinnen steigt der Insulinbedarf, und bei entsprechend vorbelasteten Frauen kann sich ein Schwangerschaftsdiabetes entwicklen. (Bei insulinpflichtigen Diabetikerinnen kann sich der Insulinbedarf bis zur Entbindung verdoppeln, nach der Geburt sinkt er wieder).


Schädliche Blutzuckerschwankungen

Blutzuckerschwankungen in der Schwangerschaft sollten vermieden werden, denn sie schaden sowohl der Mutter als auch dem Kind. Bei der Mutter kann es durch überhöhten Blutzuckerspiegel beispielweise zu Nierenschäden oder Veränderungen der Netzhaut im Auge kommen. Außerdem erhöht sich das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie und Komplikationen bei der Geburt.

Aber auch das heranreifende Kind wird durch einen zu hohen oder zu niedrigen Blutzuckerspiegel geschädigt. Besonders groß ist diese Gefahr zu Beginn der Schwangerschaft, denn in den ersten drei Monaten entwickeln sich die Organe. So erhöht sich für Kinder von Typ-1- und Typ-2-Diabetikerinnen das Risiko für Missbildungen am Herzen, den Knochen oder den Nieren um das Drei- bis Vierfache. Diese Risiken können durch eine gute Einstellung des Diabetes minimiert werden: Der HbA1c-Wert sollte möglichst bereits drei Monate vor der Empfängnis unter 6,5 bis 7 Prozent liegen.


Steigende Blutzuckerwerte

Vor allem übergewichtige und erblich vorbelastete Frauen können durch die veränderte Stoffwechsellage in der Schwangerschaft etwa ab der 24. Schwangerschaftswoche einen Schwangerschafts-, Gestations- oder auch Typ-4-Diabetes entwicklen. Dabei sinkt wie beim Typ-2-Diabetes zunächst die Insulinempfindlichkeit der Gewebe, vor allem von Muskel- und Fettgewebe. Diese können die Glucose aus dem Blut nicht mehr ausreichend aufnehmen und verwerten, und der Blutzuckerspiegel erhöht sich. Wenn die Bauchspeicheldrüse die sinkende Insulinempfindlichkeit nicht mehr durch eine vermehrte Insulinausschüttung kompensieren kann, steigt der Blutzuckerspiegel.


Risikofaktor: Übergewicht

Besonders gefährdet sind Frauen mit einem Diabetes mellitus-Fall in der engeren Familie, einem engeren Geburtsgewicht von mehr als 4 kg, Frauen mit wiederholten Fehlgeburten und Frauen, deren Kinder bei vorausgegangenen Geburten mehr als 4 kg gewogen haben.

Da in den westlichen Nationen immer mehr Frauen im gebärfähigen Alter übergewichtig sind, steigt auch die Zahl der Frauen mit einem Gestationsdiabetes. Heute entwickeln in Deutschland 5 bis 10 Prozent der Schwangeren einen Diabetes. Außerdem nehmen heute Frauen während der Schwangerschaft stärker zu als früher: Durchschnittlich 13 kg legte eine Schwangere in Berlin Mitte der 1980er Jahre von der Konzeption bis zur Geburt zu, 20 Jahre später waren es 15 kg. Das durchschnittliche Geburtsgewicht der Babys stieg von 3 300 g auf rund 3 400g.


Erhöhtes Geburtsgewicht

Ein Gestationsdiabetes verläuft meist ohne die typischen Diabetes-Symptome und betrifft vor allem die kindliche Entwicklung. Als Reaktion auf die erhöhten Blutzuckerwerte der Mutter produziert der Körper des Ungeborenen vermehrt Insulin. Dieses Hormon regt jetzt in Körper des Kindes die Speicherung von Zucker und Fett an. Das Kind wird im Mutterleib zu dick und zu groß, das Gewicht kann auf mehr als 4 kg ansteigen. Außerdem produziert es mehr Urin, der in das Fruchwasser abgegeben wird, sodass sich die Menge erhöht.

Als Folge steigt das Risiko für eine Frühgeburt. Oft kann das zu große Kind nicht mehr auf natürlichem Weg entbunden werden, ein Kaiserschnitt wird notwendig. Weil außerdem die Durchblutung des Mutterkuchens und somit die Sauerstoffversorgung des Kindes gestört sein können, haben die Kinder ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung Neugeborenengelbsucht.

 

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